Haibun
Hommage zum Rand der Erde
Pallottiner Kirche zu Limburg
Sonntagabend, der zehnte Tag im September 2006
gegeben wird die Uraufführung „Zum Rand der Erde“
Rouven Emanuel Hoffmann hat zu Haiku von Dr. Peter Jentzmick komponiert
erwartungsvoll das Auditorium
Einführende Worte
Echo hallt von der Kuppel wider
die Abendsonne taucht ins Licht
dissonant wehen Töne durchs Kirchenschiff
Die Vier Winde von Daniel Pinkham
die Orgel atmet ein
Der Wind von Norden
der erste Wind weht schräg
die Orgel stöhnt
Der Wind von Osten
der zweite Wind beißt
die Orgel ächzt
Der Wind von Süden
der dritte Wind versöhnt
die Orgel bebt
Der Wind von Westen
der vierte Wind kreischt.
die Orgel atmet aus
gefühlvoll in allen Windrichtungen
an der Orgel Professor Markus Eichenlaub
Windstille -
wo nur ist die siebte Kerze?
als Zuhörer fühlt man sich verantwortlich
die Frau in der Bank vor mir
schaut ins Programm und zählt
1-2-3-4-5
ob sie auch Haiku schreibt?
zehn Instrumentalisten des Landesjugendorchesters
betreten die Bühne
zwei Solisten gesellen sich dazu:
Sonja Ebel-Eisa, Sopran
Sebastian Kitzinger, Bariton
ein Dutzend Künstler
ein Dutzend Haiku
einige Dutzend einführende Worte des Pallottiners
auch sein Echo verhallt
doch liest er nicht die ersten Zeilen der Haiku
im Programmheft?
die kann ich mitlesen!
dann geht’s los -
Vorspiel
Abgeschiedenheit – Nacht – Enge
ich schließe die Augen und gehe auf die Reise –
dumpfes Trommeln dröhnt
eine Flöte flattert auf
Bläser Harmonie
Angst
Bedrohung
Panik
schnell, schnell, ein Versteck
vorsichtig hinaus lugen
jener Sonnenstrahl
dort erste Vögel
ein Abgrund bedroht den Schritt
schwanken und halten
die Sopranistin tritt auf –
Grau ist’s und Regen . . .
ihre Silben
entziehen sich dem Ohr
stattdessen wieder
die ersten Zeilen der Haiku
im Programmheft
und mein Erleben -
etwas tritt in Blick
erzwingt achtsamen Rückzug
Düsternis um mich
Verwaister Garten . . .
Abgeschiedenheit
meiner Gefühle Wallung
Ringen um Fassung
der Bariton tritt auf –
Auf steilem Felsen . . .
auch er
nur bruchstückhaft
zu verstehen
schade
doch meine Gedanken –
der tristen Wände
schroffe Formationen
Verstand zersplittert
Reisen in die Nacht . . .
wohin, wohin nur
schlaflos doch Traum verloren
kreisen Gedanken
Im Dunkel der Nacht . . .
ich male dein Bild
wo ist mein Hoffnungsgestirn
allein finde ich
Zum Rand der Erde . . .
tief scheint die Stille
die Nacht in Blau verwandelt
meine Seele ringt
Zwischenspiel
Gestein – Übergang – Tag
drückend Beklemmung
schwere Schritte durchs Dunkel
hoffend Erwartung
Rot glüht der Himmel . . .
Zuversicht keimt auf
in jenem Sonnenaufgang
dies ist die Farbe
Om atmendes Wort . . .
der Schöpfung danken
mein Gebet schwingt sich hinauf
wird angenommen
Vielstimmig ertönt . . .
von allen Seiten
die Freudenklänge jubeln
auch in mir wieder
Raureif auf Bäumen . . .
Eiskristall glitzert
das Licht gläsern gebrochen
dazwischen Himmel
Vogelgezwitscher . . .
vielstimmig ertönt
der Morgensonne Rufen
einer Amsel Schwarz
Im Farbenspiel tanzt . . .
kein Regenbogen
doch alle Farben sind wach
und danken dem Herrn
Nachspiel
All-Einsamkeit
Trommeln laden mich
zum marschieren ein – Schritte
in die Sommernacht
die Bläser schmollen
Erlösung macht sich bereit
Zufriedenheit schweigt
die Kirche verharrt
hält die Luft an
für Sekunden
unendlich
eine Minute
endlich
einer fängt an
Applaus tropft
schwingt sich auf
ich erhebe mich
wie im Rausch –
(mit freundlicher Genehmigung von Dr. Peter Jentzmik)